
Laufen du musst, wenn überleben du willst 😛
Die Story: Ein Planet, der dich hassen tut:
Willkommen auf Icarus, einst die Hoffnung der Menschheit, nun ein kosmischer Mülleimer aus gescheitertem Terraforming. Warum wir hier sind? Exotische Materie! Wertvoll sie ist. Uns reich machen sie soll.
Die Story ist einfach, du fliegst mit deiner winzigen Kapsel von der sicheren Raumstation runter auf die Oberfläche. Du holst das Zeug unter akuter Lebensgefahr ab, wirst von der lokalen Tierwelt nach Strich und Faden verprügelt, vom Wetter gedemütigt und haust am Ende schleunigst wieder ab, bevor die Atmosphäre deine Rüstung röstet. Tiefgründige Lore oder philosophische Dialoge? Nicht hier, mein Freund! Überlebenskampf pur, das ist dein Alltag. Du bist kein epischer Held, du bist ein interstellarer Zeitarbeiter mit einer Vorliebe für Schmerz.
Das Gameplay: Arbeit für fleißige Hände:
Du landest nackt wie ein neugeborenes Baby im nassen Gebüsch und musst dein Gehirn sofort in den Überlebensmodus schicken. Steine klopfen, Bäume fällen, Beeren mampfen, atmen nicht vergessen!
Das Spiel bietet dir gigantische Tech-Bäume. Du fängst an mit primitiven Steinwerkzeugen und baust dir mühsam eine kleine Holzhütte, die beim ersten Windhauch weggepustet wird. Doch das Gefühl des Fortschritts ist in diesem Spiel ziemlich überwältigend! Stunden später stehst du plötzlich mit einer hypermodernen Feste da, ausgerüstet mit Jagdgewehren, elektrischen Systemen und Hightech-Rüstung. Wenn du einen mutierten außerirdischen Wolf mit einem Elektropfeil röstest, dann spürst du die Macht! Für Fleißameisen, Handwerker und detailverliebte Planer dieses Spiel ein absolutes Paradies auf Erden, oder besser gesagt, auf Icarus.
Was nicht so gut ist: der intergalaktische Wandertag, DLC-Frechheiten und der Update-Wahnsinn
Aber wo viel Licht ist, da ist bei Icarus auch verdammt viel Schatten, und hier kommen wir zu den Dingen, die mir gepflegt die Zornesröte ins Gesicht treiben!! Icarus ist nicht nur ein Survival Spiel, es ist ein Marathon-Simulator. Selbst wenn du ein Reittier gezähmt hast, verbringst du teilweise drei bis vier Echtzeitstunden damit, stumpf von A nach B zu laufen. Du rennst kilometerweit durch die Pampa, nur um am Arsch der Welt einen dämlichen Radarsender aufzustellen, und darfst den ganzen Weg wieder zurückwatscheln. Deine W-Taste auf der Tastatur wird nach einer Woche intensiven Spielens laut um Gnade winseln. Gepaart wird das mit einem Missionsdesign, das an Einfallslosigkeit kaum zu übertreffen ist. Scanne Blume A, töte Bär B, scanne danach den exakt gleichen Bär noch mal an Punkt C. Man fühlt sich nicht wie ein glorreicher Pionier, sondern wie ein extrem schlecht bezahlter Postbote im Weltraum.
Doch der eigentliche Endgegner wartet nicht im Wald, sondern auf deiner Festplatte. Was die Entwickler hier bei der Update-Politik abziehen, ist eine absolute Schandtat. Jede Woche gibt es einen Patch. Klingt nett? Ist es aber nicht, wenn für die Einführung einer neuen Stehlampe oder eines dekorativen Sitzkissens gefühlt das komplette Spiel neu heruntergeladen und umgeschrieben wird. Du wirfst Steam an und darfst erst mal Gigabyte-Monster patchen, die deine SSD blockieren und deinen PC mit Datenmüll verstopfen.
Und als wäre das nicht genug, klopft auch noch die DLC-Geldgier an die Tür. Das Basisspiel fühlt sich an vielen Stellen unvollständig an. Du willst die wirklich coolen, fremdartigen Alien-Biome, die epischen Bossgegner und das echte Science-Fiction-Feeling? Tja, dann mach mal schön den Geldbeutel auf! Wer die teuren Erweiterungen wie New Frontiers nicht kauft, ist dazu verdammt, auf den immer gleichen, recycelten Standard-Karten herumzukrebsen.
Gründe, warum man es kaufen sollte:
Absoluter Suchtfaktor: Man verfällt sofort in den „nur noch ein Stein abbauen“ Modus und ehe man sich versieht, ist auch schon ein Tag rum.
Grafischer Leckerbissen: Wenn die Grafikkarte nicht vorher schmilzt, sieht der Planet mit seinen Wetter- und Lichteffekten unverschämt gut aus.
Perfekt für den Koop-Modus: Zusammen mit Freunden macht das Leiden und das panische Wegrennen vor Eisbären gleich dreimal so viel Spaß. Schadenfreude ist hier die beste Freude.
Konstanter Support: Man muss den Entwicklern lassen, dass sie das Spiel seit dem holprigen Release nicht im Stich gelassen haben und wöchentlich Content nachliefern (auch wenn das Patchen die Hölle ist).
Warum man es nicht kaufen sollte:
Extremer Leerlauf: Wer keine Geduld für stundenlange, meditative Fußmärsche hat, wird hier psychisch an seine Grenzen stoßen.
Repetitive Klon-Missionen: Kennst du eine Aufgabe, kennst du gefühlt alle. Die Abwechslung hat sich schon lange in eine andere Galaxis verabschiedet.
Der Festplatten-Terror: Die wöchentlichen Riesen-Updates fressen deine Internetleitung und müllen dir im Schneckentempo die Festplatte voll.
Unverschämte DLC-Politik: Die wirklich spannenden Inhalte und coolen Biome sind hinter einer dicken Paywall versteckt. Das schmeckt dem Portemonnaie gar nicht.
Technische Macken: Framedrops bei großen Basen, schwebende Texturen und Bugs, die dir kurz vor Missionsende den Spielstand zerschießen, gehören leider immer noch zum guten Ton.
Fazit: Ein harter Brocken, der trotz allem schmeckt:
Am Ende des Tages ist Icarus wie eine toxische Beziehung: Das Spiel quält dich, es ignoriert deine kostbare Lebenszeit, es raubt dir den letzten Nerv, aber verdammt noch mal, du loggst dich am nächsten Abend trotzdem wieder ein. Trotz der zermürbenden Wanderschaften, der unverschämten DLC-Politik und des wöchentlichen Update-Terrors auf der Festplatte hat das Spiel einen süchtig machenden Kern, dem man sich schwer entziehen kann. Wer eine extrem hohe Frustrationstoleranz besitzt, gerne im Akkord schuftet und sowohl eine riesige SSD als auch eine pralle Brieftasche für die Erweiterungen mitbringt, der wird hier Hunderte von Stunden versenken. Alle anderen sollten vor dem Kauf lieber schon mal die virtuellen Wanderschuhe schnüren und ein Stoßgebet für ihre W-Taste gen Himmel schicken.






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